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14Feb/115

Oliver Bünte

Über sieben Brücken… – Probleme bei der Nutzung von Web-Anwendungen im Mobile Safari Browser des iPad

Web-Applikationen weisen gegenüber nativen Applikationen einige Vorteile auf: Sie laufen in jedem Browser über Betriebssystemgrenzen hinweg und das grafische Benutzerinterface sieht dabei immer gleich aus. So muss man sich nicht immer wieder neu eingewöhnen, wenn zum Arbeiten mal ein Mac, mal ein Windows PC oder mal ein iPad mit iOS verwendet wird. Außerdem werden Daten, die man mit einer Web-Applikationen erstellt, meist zentral auf einem Server abgelegt, sodass die Dateien von unterschiedlichen Geräten weitgehend ortsunabhäbgig abgerufen werden können.

Für meinen iPad-Blog "WAbbs" habe ich über 150 solcher Dienste auf Tauglichkeit für das iPad getestet. Kaum eine Web-Applikation funktionierte dabei im Mobile Safari Browser fehlerfrei. Das liegt allerdings weniger daran, dass Apples mobiler Browser die aktuellen Web-Techniken nicht beherrscht, sondern die Hardware des iPad einige Besonderheiten und Limitierungen aufweist. So werden beispielsweise Touch-Events auf einem iPad im Mobile Safari Browser anders ausgewertet als Mouse-Events in einem Browser auf einem Desktop-Rechner. Welche Einschränkungen das im Einzelnen sind, darauf wird später noch genauer eingegangen.

Zusätzlich werden nur sehr wenige Web-Applikationen speziell für die Verwendung auf dem iPad angepasst. Je nach Art des Dienstes kann der Aufwand für die Entwicklung unter Berücksichtigung der hardware-spezifischen Eigenschaften des iPad sehr hoch und damit kostenintensiv sein. Deshalb sind hauptsächlich Unternehmen, deren Dienste bereits eine gewisse Reichweite aufweisen, daran interessiert und finanziell in der Lage, spezielle Anpassungen für das iPad vorzunehmen. In der Regel werden Web-Applikationen deshalb nur für die gängigen Desktop-Webbrowser wie beispielsweise Firefox, Internet Explorer, Safari, Chrome und Opera entwickelt.

Um die Entwicklung von Web-Diensten für das iPad einfacher zu gestalten und die Kosten für iPad Web-Anwendungen zu minimieren, sind in den letzten Monaten verschiedene Entwicklungs-Frameworks erschienen. Sie erleichtern das Erstellen von WebApps für das iPad. Sencha Touch enthält beispielsweise eine Vielzahl fertiger Schaltflächen, Drop-Down-Menüs oder Überblendanimationen und ermöglicht sogar den Zugriff auf Hardwarekomponenten wie beispielsweise dem GPS-Empfänger. Das Framework verwendet dazu ausschließlich Web-Techniken wie HTML5, CSS und JavaScript, die der Mobile Safari Browser des iPad nahezu fehlerfrei beherrscht. Mit Sencha Touch erstellte WebApps sehen ähnlich aus wie native iOS-Applikationen und weisen darüber hinaus fast die gleichen Fähigkeiten auf - inklusive Pinchen, Swipen und anderen liebgewonnenen Touch-Funktionalitäten.

Bis solche Web-Anwendungen allerdings im größeren Umfang für das iPad zur Verfügung stehen, dürfte noch einige Zeit vergehen. Bis dahin müssen iPad-Nutzer mitunter Funktionseinschränkungen in Kauf nehmen. Insgesamt gibt es sieben wesentliche Einschränkungen, die eine reibungslose Funktion von Web-Anwendungen auf dem iPad verhindern:

1. Kein Flash

Kaum etwas hat die Gemüter bei der Einführung des iPad so stark berührt, wie die fehlende Flash-Unterstützung im Mobile Safari Browser. Dabei ist Apples Entscheidung, ressourcen-hungrige Flash-Videos und -Anwendungen nicht im Browser zu gestatten, rein pragmatischer Natur: Die Leistungsfähigkeit von Prozessor, Speicher und Akku reicht nicht aus, um eine ordentliche Performance zu garantieren.

Auswirkungen hat die fehlende Flash-Unterstützung weniger im Bereich Video, denn die großen Video-Portale wie YouTube und Vimeo haben ihren Bestand längst auf HTML5 Video umgestellt, sodass die Filme im Browser des iPad abgespielt werden können. Die blinkenden, mit Flash realisierten Werbebanner dürften ohnehin den wenigsten Anwendern auf dem iPad fehlen. Allerdings können ohne Flash auch viele Web-Applikationen nicht ausgeführt werden. Dazu gehören beispielsweise einige Online-Bildbearbeitungsprogramme, Spiele oder einfache Applikationen zum Abspielen von Musik oder zum Streamen von TV-Inhalten, die in Web-Seiten integriert sind.

Prinzipiell kann Flash auf dem iPad mit einem Hack namens Frash nachgerüstet werden, dazu benötigt man jedoch ein Gerät mit Jailbreak. Zusätzlich müssen manuelle Eingriffe am System vorgenommen werden. Der Aufwand dafür lohnt kaum, denn bisher laufen mit Frash nur einfache Flash-Animationen. Flash-Video wird nicht unterstützt und komplexe Flash-Applikationen, die Scripte enthalten, lassen sich ebenfalls nicht nutzen.

2. Keine Java-Applets

Das iPad verfügt über keine virtuelle Java Maschine. Die Nachrüstung mit einem Plugin ist beim Mobile Safari Browser des iPad nicht vorgesehen. Entsprechend können Java-Applets im Browser nicht ausgeführt werden. Solche Applets werden zwar in den letzten Jahren nicht mehr so häufig eingesetzt, hier und da findet man sie dennoch, beispielsweise bei Online-Booking-Systemen. Eventim, einer der größten Dienstleister für Ticket-Booking in Deutschland, setzt immer noch auf Java-Applets, die Opernhäuser, Theater oder Konzertveranstalter in ihre eigenen Web-Seiten einbauen. Nutzer können darüber direkt Sitzplätze für eine Veranstaltung im Browser auswählen und bezahlen. Auf dem iPad bleibt der Bildschirm allerdings leer, sodass der bequeme Kauf von Tickets mit dem iPad nicht möglich ist. Vielen Veranstaltern ist das anscheinend nicht bewusst.

3. Kein Datei-Upload über Formularfelder

Fotos und Videos zu veröffentlichen, ist im Mitmach-Web eine Selbstverständlichkeit. Dienste wie Flickr, Panoramio, Picasa, YouTube und Vimeo verdanken ihre Existenz (und ihren Erfolg) vor allem dem Material, das Nutzer hochladen. Dazu stehen in der Regel Web-Anwendungen zur Verfügung, die es ermöglichen, lokal auf dem Rechner abgelegte Bild- und Videodateien über den Webbrowser auf den Server des Anbieters zu übertragen. Der mobile Safari Browser des iPad erlaubt einen solchen Upload, der über Formularfelder erfolgt, jedoch nicht. Der Grund: Der Browser kann nicht auf lokale Dateien, die bis auf wenige Ausnahmen applikationsweise auf dem iPad gespeichert werden, zugreifen. Ein großer Teil der Web-Dienste kann deshalb nur eingeschränkt auf dem iPad genutzt werden. Dazu gehören neben den Foto- und Video-Communities beispielsweise E-Mail-Clients, über die keine Dateianhänge versendet werden können. Auch Blogger, die WordPress & Co. benutzen, haben mit der fehlenden Datei-Upload-Funktion zu kämpfen, denn über den Webbrowser können keine Fotos auf den Server geladen und damit Texte bebildert werden. Die Funktion solcher Dienste ist daher auf dem iPad nur über native Apps für iOS gewährleistet.

4. Kein Download von Dateien

Wo kein Upload, da kein Download im Mobile Safari Browser. Das stimmt allerdings nicht ganz, denn zumindest Fotos, die in Web-Seiten eingebunden sind, lassen sich im Flash-Speicher des iPad ablegen und später über die Foto-App anschauen. Alle anderen Dateiarten können über den Browser auf dem Tablet nicht lokal gespeichert werden.

5. Keine Hover-Funktion

Auf Desktop-Rechnern erfolgt die Bedienung der grafischen Oberfläche über Eingabegeräte wie Maus, Trackball oder TouchPad. Dabei wird die Position des Mauszeigers kontinuierlich angezeigt. Sobald im Browser Schaltflächen, die mit Hilfstexten versehen sind, mit dem Zeiger überfahren werden, erscheinen passende Beschreibungen. Überfährt man ein Foto mit dem Zeiger, so wird die im Title-Tag abgelegte Bildunterschrift angezeigt. Einige Web-Dienste benutzen diese Hover-Funktion, um weitere Schaltflächen sichtbar zu machen, wenn man über eine bestimmte Hauptfunktion fährt. Auf Geräten mit Touchscreen werden ausschließlich Touch-Events ausgewertet. Eine Hover-Funktion existiert nicht, sodass bei einigen Web-Anwendungen bestimmte Funktionen auf dem iPad unsichtbar bleiben und nicht abgerufen werden können.

6. Kein Scrollen, kein Drag-and-Drop, keine Slider-Bedienung

Das iPad verfügt über (Multi-)Touch-Funktionen, die beispielsweise das Pinchen, Swipen, Scrollen oder die Auswahl per Tap ermöglichen. Diese Funktionen sind auch innerhalb des Mobile Safari Browser nutzbar. Damit in einer Web-Applikation beispielsweise eine Arbeitsfläche gescrollt, Listenelemente per Drag-and-Drop verschoben oder Slider benutzt werden können, müssen die systemweiten Touch-Funktionen deaktiviert werden, da sonst lediglich der Inhalt des Browser-Fensters, also die Web-Applikation selbst, verschoben wird und die Anwendung nicht sinnvoll eingesetzt werden kann.

7. Keine Tastaturkürzel

Einige Web-Applikationen wie beispielsweise Checkvist unterstützen Tastaturkürzel, um einzelne Funktionen schneller aufrufen zu können. In Desktop-Browsern funktioniert das problemlos. Auf dem iPad wird die virtuelle Tastatur nur dann eingeblendet, wenn ein Textfeld aktiv ist. Eine andere Möglichkeit zum Einblenden der Tastatur existiert nicht, sodass in Web-Diensten grundsätzlich keine Tastaturkürzel zum Funktionsaufruf genutzt werden können.

Fazit

Eine Vielzahl von Web-Anwendungen funktioniert auf dem iPad nicht. Lediglich Dienste, die die Eigenheiten des iPad wie beispielsweise die Multi-Touch-Funktionen berücksichtigen, funktionieren fehlerfrei. Web-Applikationen, die auf Flash basieren oder eine virtuelle Java Maschine benötigen, können mangels Unterstützung nicht ausgeführt werden. Zusätzlich verhindert die fehlende Zugriffsmöglichkeit auf das lokale Dateisystem das Speichern oder Laden von Dateien über den Mobile Safari Browser.

Ein Teil dieser Probleme kann durch die gezielte Anpassung der Web-Dienste behoben werden. Andere Probleme, wie die fehlende Zugriffsmöglichkeit auf lokale Dateien, bleiben ungelöst. Sie sind systembedingt, sodass der Nutzer auf native Apps ausweichen muss, die dann allerdings nicht über Betriebssystemgrenzen hinweg genutzt werden können.

Foto: Oliver Bünte

Dies ist eine angepasste Zweitveröffentlichung. Der Text wurde von mir erstmalig auf wabbs.de eröffentlicht.

Über den Autor Oliver Bünte

Journalist, Historiker und bekennender Technikfreund (nicht Freak!), beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit Computern und hat die Entwicklung mobiler Technik von Handys und PDAs bis hin zu Smartphones und Tablets von Anfang an kritisch begleitet. Als Historiker, Politologe und IT-Experte sitzt er an der Schnittstelle zwischen Geisteswissenschaften und Technologie. Dadurch hat er einen besonderen anwendungs- und praxisorientierten Blick dafür entwickelt, was den Nutzer wirklich interessiert, und vermittelt dies tagtäglich als Journalist und aktiver Blogger auf notebookjournal.de und vivacities.de.

Kommentare (5) Trackbacks (0)
  1. Dann ist das also Firmenpolitik, daß Apple kein Java auf dem Ipad unterstützt? Das gilt dann sicher auch für das Ipad2! Dann ist das Ipad für mich nicht so interessant. Aber eine wirkliche Alternative dazu sehe ich keine.

  2. @0816: java spielt kein große rolle mehr. sofern du nicht dauernd irgendwelche spezialanwendungen z.B. in Unternehmen benötigst, wird es dir nicht auffallen.
    der fehlende dateiupload über safari schränkt mehr ein, weil man für jeden dienst eine eigene app benötigt und das pad damit über lange sicht zumüllt.

  3. Ich muss m00s recht geben. Der fehlende Dateiupload über Safari stört gewaltig. Fotos über Flickr hochladen funktioniert nicht. Panoramio dito. Fotos in meinem WordPress-Blog hochladen und einfügen funktioniert mit dem ipad nicht. Das geht immer nur über die passende App.

    Wenn man einen Webdiest liebgewonnen hat und gerne am PC nutzt, ist das umgewöhnen auf eine ipad App eine ganz blöde Angelegenheit.

    Flash und Java hat mir bisher noch nicht gefehlt.

  4. Fotos, Videos usw. über Safari hochladen, sind Spezialanwendungen. Man produziert doch keine Fotos und Videos mit dem ipad. Evtl. ändert sich das mit dem neuen ipad, das dann eine Kamera mitbringt. Die Masse dürfte den Upload übern Browser also gar nicht vermissen.

  5. Hätte ich das vorher gewusst, dann hätte ich mir kein iPad gekauft. Danke für die erhellende Info und den Hinweis auf http://www.wabbs.de. Bin jetzt deutlich schlauer.


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